Vorstellungsgespräch: Fragen, die es in sich haben.

By Vincent Amadeus
11/19/2021

Vorstellungsgespräch: Fragen, mit denen du rechnen solltest – und was du antworten solltest

Du hast fleißig Bewerbungen geschrieben und wurdest jetzt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen – herzlichen Glückwunsch! Deine Bewerbung hat also schon mal einen guten Eindruck hinterlassen und du bist in die engere Auswahl gekommen. Jetzt musst du auch noch im Gespräch überzeugen und das kann erst mal für Nervosität sorgen. Aber worauf musst du dich überhaupt einstellen, welche Fragen werden gerne und oft gestellt und wie antwortest du überzeugend darauf? Egal, ob es sich um ein Online-Vorstellungsgespräch oder ein persönliches Bewerbungsgespräch vor Ort handelt – wir haben acht typische Fragen aus Vorstellungsgesprächen gesammelt und geben dir etwas Orientierung und Infos dazu, welche Antworten bei Personaler*innen besonders gut ankommen.

Dabei handelt es sich um eher generelle Fragen. Natürlich werden dir als Bewerber*in auch fach- und stellenspezifische Fragen gestellt werden in deinem Bewerbungsgespräch. Auch die solltest du natürlich beantworten können. Wenn du dich im Vorfeld ausführlich mit der Stelle, den Anforderungen, dem Unternehmen und deiner eigenen Eignung auseinandergesetzt hast, sollte das aber kein Problem darstellen. Zu diesen spezifischen Fragen gehören zum Beispiel:

  • Warum sind Sie perfekt für die Stelle geeignet?“

  • Welche Erfahrung haben Sie in dem Bereich xy/mit diesen Tools?“

  • Welche Inhalte aus dem Studium können Sie in dieser Stelle einbringen?

Und so weiter. Damit erst einmal genug, wie sollst du nun damit umgehen, wenn dir allgemeine Fragen oder gar Fangfragen gestellt werden? Hier unsere Auswahl.

1. „Erzählen Sie uns doch mal, wer Sie sind“

Es mag nicht so scheinen, aber es handelt sich bei dieser beliebten Einstiegsfrage direkt um eine Fangfrage. Wenn du nicht entsprechend vorbereitet bist, kann es hier schnell passieren, dass du zu weit ausschweifst und das Gespräch in eine zu private Richtung abdriftet. Hier gilt, die Balance zwischen freundlicher Selbstpräsentation und professioneller Zurückhaltung zu finden. Dafür kannst du dich in etwa an deinem Lebenslauf orientieren.

Stell dich mit Namen und Alter vor und berichte von deiner bisherigen Schul- und Ausbildung. Hast du während deines Studiums herausstechende Qualifikationen durch Workshops oder Fortbildungen sammeln können oder gibt es etwas, was dich während deiner Ausbildung oder in deinem Ausbildungsbetrieb nachhaltig begeistert hat und sich bis heute wie ein rotes Band durch deine professionelle Laufbahn zieht? Über was hast du deine Abschlussarbeit geschrieben oder auf welche beruflichen Erfolge bei deiner letzten Arbeitsstelle bist besonders stolz? In ein paar Sätzen können sich deine Gegenüber so einen ersten persönlichen Eindruck machen und danach läuft das Gespräch bestimmt ganz von selbst weiter – Themen gibt es ja jetzt genügend!

2. Warum sollten wir ausgerechnet Sie einstellen?

Lass dich von dieser Frage nicht aus der Ruhe bringen. Du hast dir vor dem Vorstellungsgespräch im Zuge deiner Bewerbung bereits Gedanken über den Job, deine Motivation und Fähigkeiten gemacht und kannst diese Frage – so einschüchternd sie auch erst mal klingt – ruhig und selbstbewusst beantworten. Denke an deinen persönlichen Werdegang und deine Fachkenntnisse. Erinnere dich an die Stellenausschreibung: Wonach sucht das Unternehmen explizit und welche Kriterien davon erfüllst du? Erkläre den Personalverantwortlichen auf dieser Basis, warum dein spezifisches Wissen oder deine Praxiserfahrung genau dem entsprechen, wonach sie suchen oder was dem Unternehmen aktuell noch fehlt, um stark in die Zukunft gehen zu können. Ein kleines Beispiel zur Erläuterung deiner konkreten Qualifikation und inwieweit diese einen Pluspunkt für die Firma bieten würden, unterstreicht deinen Punkt nochmal.

3. „Was sind Ihre Schwächen?“

Die Frage, von der wir alle schon so viele Male gehört haben und auf die es unzählige floskelartige Antworten gibt. Aber wie soll man nun wirklich darauf antworten, welche Schwächen sind hier gefragt und wie genau soll man sie formulieren? Auf jeden Fall solltest du dich hier nicht in ein allzu schlechtes Licht rücken. Wenn du sagst, dass du vergesslich, aufbrausend oder gar faul bist, werden die HR-Manager*innen nicht beeindruckt oder interessiert sein, sondern sich viel mehr in Gedanken schon auf das nächste Kennenlerngespräch mit deinen Mitbewerbenden einstellen. Du musst deine Schwächen also gut verkaufen können, ohne dabei eigentlich eine Stärke zu nennen. Ehrlichkeit überzeugt hier – wie im gesamten Gespräch. Erzähle von einer Schwäche, der du dich gerne stellen möchtest oder an der du bereits arbeitest. Gibt es etwas, wovor du Angst hast, diesen Respekt aber durch Übung abtrainieren möchtest? Dann erzähle davon und erwähne auch direkt, wie genau du dich dieser Schwäche aktiv stellst. Eine Ein-Wort-Antwort ist schließlich für niemanden befriedigend und endet im schlechtesten Fall nur in unangenehmer Stille.

4. „Wo sehen Sie Ihre Stärken?“

Das Gegenstück zu der vorherigen Frage zu den Schwächen – und auch diese wird gerne gestellt. Aber ebenso häufig wie die Frage nach den Stärken gestellt wird, bekommen Personaler*innen auch allgemeingültige Antworten wie Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit oder Eigenständigkeit zu hören. Was zuallererst einmal gar nicht schlecht klingt, ist leider wenig aussagekräftig. Deshalb gilt auch hier: Mach dir Gedanken darüber, welche Eigenschaften bei der ausgeschriebenen Stelle gerne gesehen werden. Welche dieser Qualitäten erfüllst du und wie konntest du sie bisher schon unter Beweis stellen? Anhand dieser Überlegungen formulierst du dann einige Sätze und zeigst auf, warum du eine bestimmte Eigenschaft als tatsächliche Stärke siehst und welche Erfahrungen das noch unterstreichen. Du musst gar nicht dazu sagen, weshalb das zu der Stelle oder der Firma passt – das merken deine Gegenüber dann selbst. Einige klare und selbstbewusste, erklärende Sätze zu einer Stärke machen viel mehr her als fünf nacheinander aufgezählte Stärken.

5. „Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?“

Diese Frage kann eigentlich niemand ganz sicher beantworten, gestellt wird sie trotzdem immer noch gerne in Bewerbungsgesprächen. Warum? So können die Personalverantwortlichen herausfinden, wo deine Motivation konkret liegt und was dir beruflich wie auch im Leben wichtig ist. Mit deiner Antwort kannst du hier also zeigen, dass du dir Gedanken gemacht hast über deine Zukunft und dich aus echtem Interesse bei dem entsprechenden Unternehmen beworben hast. Wenn du zum Beispiel davon berichtest, dass du in zehn Jahren gerne in einer führenden Position tätig wärst, zeigst du Ambitionen und die Bereitschaft, dich in deinem Job auch herausfordernden und neuen Aufgaben zu stellen. Wie auch immer deine Vorstellung von der Zukunft ist und egal, wie oft sich diese noch ändern kann – diese Frage bietet dir nochmal die Gelegenheit, die Personaler*innen von deiner Motivation und deinen positiven Eigenschaften zu überzeugen.

6. „Was sind Ihre Gehaltsvorstellungen?“

Diese Frage wird häufig schon früher im Bewerbungsprozess gestellt. Wenn du bei deiner Bewerbung allerdings noch nicht nach deinen Gehaltsvorstellungen gefragt wurdest, kann es im Vorstellungsgespräch zu dieser Frage kommen. Als Vorbereitung auf diese Frage solltest du dich im Voraus mit dem durchschnittlichen Gehalt in der jeweiligen Branche und mit deiner Berufserfahrung informieren. Besonders für Berufseinsteiger*innen ist diese Frage oftmals schwieriger, da sie noch keine Erfahrung vorweisen können und auch nicht von einem vorherigen Gehalt auf das neue schließen können. Mit etwas Recherche kannst du aber auch als Neuling auf dem Arbeitsmarkt eine angebrachte Gehaltsvorstellung vorlegen und auch entsprechend begründen. Und da sind wir auch schon bei dem zweiten wichtigen Punkt: Auf diese Frage solltest du nicht nur mit einer Zahl antworten, sondern in ein oder zwei Sätzen auch hinzufügen, wie du dazu kommst. Erfahrung und berufliche Qualifikation sind dabei zwei Hauptargumente. Gehaltsvorstellungen werden in der Regel als Brutto-Jahresgehalt angegeben.

7. „Was haben Sie an Ihrem letzten Job nicht gemocht?“ oder „Was denken Sie über Ihre*n letzte*n Chef*in?“

Achtung: Fragen dieser Art wollen oft darauf abzielen, dass Bewerber*innen unprofessionell antworten. Es geht hier nicht darum, deine persönlichen Konflikte oder Meinungen über deine vorherige Firma, ehemaligen Kolleg*innen oder dein*e Ex-Chef*in kundzugeben. Lass dich also auf keinen Fall dazu verleiten, negative Aussagen zu treffen oder gar auf einer persönlichen Ebene über dein vorheriges Arbeitsverhältnis herzuziehen. Auf diese Art und Weise machst du dich auch bei potenziellen neuen Arbeitgeber*innen nicht beliebt. Auf die Frage nach deinen vorherigen Vorgesetzten antwortest du am besten mit positiven Eigenschaften, die du immer zu schätzen wusstest. Auf die direkte Frage danach, was dir nicht gefallen hat, kannst du beispielsweise antworten, dass du dir mehr Weiterbildungs- oder Aufstiegsmöglichkeiten gewünscht hättest. Natürlich solltest du immer bei der Wahrheit bleiben, aber eben immer noch auf einer professionellen Ebene. Sieh diese Frage als Chance, aufzuzeigen, was du dir von deinem nächsten Job erhoffst. Selbstverständlich nur, wenn du weißt, dass das Unternehmen dies auch bietet.

8. „Haben Sie noch Fragen?“

Diese Frage kommt oft zum Schluss des Kennenlernens. Egal, wie viel du online schon über das Unternehmen herausfinden konntest und wie viele deiner ursprünglichen Fragen im Gespräch schon beantwortet wurden – hier solltest du nicht mit „nein“ antworten. Warum? Weil das nochmal die letzte Chance ist, deinem Gegenüber zu zeigen, dass du auch nach dem Vorstellungsgespräch noch interessiert bist und dir schon ausführliche Gedanken gemacht hast. Ehrliches Interesse kommt immer gut an. Leg dir also schon im Voraus ein paar Fragen zur Seite, aus denen du am Ende noch eine passende auswählen kannst, auf die du noch keine Antwort bekommen hast. Das könnte beispielsweise sein:

  • Wie sieht die Einarbeitung im Team aus?

  • Welche Tools werden im Unternehmen/in der Abteilung genutzt?

  • Welche Weiterbildungsmöglichkeiten werden angeboten?

  • Engagiert sich das Unternehmen im sozialen Bereich?

  • Welche Herausforderungen erwarten mich in den ersten drei Monaten und wie wird mein Erfolg gemessen?

Unerlaubte Fragen | Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Natürlich ist auch das nur ein kleiner Einblick in das, was Fragen-technisch möglich ist in deinem Vorstellungsgespräch. Es gibt noch sehr viel mehr Fragen, die dich unter Umständen auch eiskalt erwischen können. Die gute Nachricht ist, dass du niemals alle Fragen auf einmal abkriegst, schließlich ist das Bewerbungsgespräch ja auch zeitlich begrenzt. Gut zu wissen: Fragen zu politischer Einstellung, Parteizugehörigkeit oder Religion sind nicht erlaubt. Du kannst dich entscheiden: Entweder verweigerst du die Antwort oder erzählst etwas, das einer Notlüge gleichkommt. Wenn das Gespräch einen Verlauf in diese Richtung nimmt solltest du dich ernsthaft fragen, ob dies ein Arbeitgeber ist, der zu deinen Werten passt. Fragen nach deiner Gesundheit musst du nur dann wahrheitsgetreu beantworten, wenn es in direktem Bezug auf die offene Stelle steht und Fragen nach Schwangerschaft oder Familienplanung musst du nur dann ehrlich beantworten, wenn du bereits deutlich schwanger bist. Wir hoffen, dass diese Übersicht und Antwortmöglichkeiten dir weiterhelfen und vergiss trotz Nervosität nie: dir gegenüber sitzen ebenfalls Menschen, die dich kennenlernen wollen und in dir eine*n potenziell neue*n Mitarbeiter*in sehen. Es handelt sich also um ein beidseitig interessiertes Gespräch.