Dominique MeyerStaatsoperndirektor

“Einen Job zu machen, wo die Leidenschaft eine Rolle spielt”, würde der gebürtige Franzose Dominique Meyer seinem jüngeren Ich raten. Die Leidenschaft zur Musik und seinen Tätigkeiten als Staatsoperndirektor gingen bei ihm entgegen aller Fremdprognosen nie verloren: “Wenn eine schöne Vorstellung beginnt, wenn ich in meiner Loge sitze, vergesse ich meistens, dass ich verantwortlich bin.”

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Transkript

Drei Ratschläge an Dein 14jähriges Ich!

Einen Job zu machen, wo die Leidenschaft eine Rolle spielt. Wenn man Leidenschaft zu etwas hat, dann ist man fleißiger, und es kostet weniger Mühe. Dann, wenn man sich bewirbt, und wenn etwas nicht kommt, muss man nicht traurig sein. Man muss immer im Kopf haben die Idee, dass vielleicht drei, vier Wochen, oder einen Monat, oder sechs Monate auch später etwas Schöneres kommt. Wenn man jung ist, muss man viele Türen auflassen, man muss Erfahrung sammeln. Ich finde, ein Mensch ist wie, wissen Sie diese, wenn man ein Eis kauft, dann legt der Mann da im Geschäft kleine Schichten drauf, und am Ende haben Sie ein tolles Icecream, und das, so baut sich eine Person auch, durch Erfahrung.

Was steht auf Deiner Visitenkarte?

Mein Name, Dominique Meyer, Direktor der Wiener Staatsoper, das ist mein Titel.

Was ist das coolste an Deinem Job?

Das coolste ist, dass im Gegenteil von was man mir gesagt hat, die Leidenschaft geht nicht weg, auch, wenn man viel, viel Musik hört, und viele Vorstellungen sieht, es gibt immer noch die Begeisterung. Und wenn eine schöne Vorstellung beginnt, wenn ich in meiner Loge sitze, vergesse ich meistens, dass ich verantwortlich bin.

Welche Einschränkungen bringt Dein Job mit sich?

Die Einschränkung ist, dass man, es saugt viel Zeit, man braucht viel Zeit. Das heißt, man muss auf viele Sachen verzichten. Natürlich müssen wir manchmal komplizierte Probleme erledigen, gut oder schlecht, mit komplizierte Psychologien, Fragen, umgehen zu können. Aber das macht auch die Aufgabe spannend, und ich denke, unser Beruf ist auch so, so interessant, weil es komplizierte Fragen zu lösen gibt, also ich glaube nicht, dass man uns brauchen würde, wenn es nicht so spannend wäre.

Worum geht es in Deinem Job?

Man muss gleichzeitig künstlerischer Leiter sein, das heißt, das Programm machen, die Spielpläne, die Künstler engagieren, die Opernvorstellung vorbereiten, und natürlich man muss das Haus führen, das ist ein großes Haus, 105 Millionen Budget, es ist 1.000 Mitarbeiter, viele verschiedene Sorten, und die müssen alle zusammenarbeiten. Und man muss versuchen natürlich, das in einem Budgetrahmen zu machen, das existiert. Gut, ich beginne um 08:30 Uhr. Ich mache zuerst eine Stunde alleine in meinem Büro Post, meine kleine persönliche Arbeit, dann kommen meine Mitarbeiter, da habe ich meistens Sitzungen, verschiedene Sitzungen. Das kann eine Budgetsitzung sein, das kann eine Planungssitzung sein, das kann eine technische Sitzung sein. Dann entweder um zehn, oder elf beginnen die Proben, dann bin ich sehr anwesend in den Proben, um zwei ist das fertig, dann haben wir meistens Vorsingen. Eine halbe Stunde, dann gehe ich schnell etwas essen. Nachmittags habe ich wieder, ja, verschiedene Sitzungen, und abends die Vorstellung, und das ist meistens, ja, um halb elf fertig.

Wie sieht Dein Werdegang aus?

Ich bin zuerst im Elsass, in Frankreich gewachsen, aber sehr früh sind wir weg gegangen, weil mein Vater zuerst Militär war, und dann später Diplomat, und dann haben wir uns getrennt, meine Eltern sind zurück nach Deutschland gegangen, ich durfte sie während den Ferien sehen, aber ich persönlich habe in Paris studiert. Ich habe Wirtschaft studiert, ich wollte Wirtschaftsprofessor werden, ich habe angefangen im Ministerium, Industrieministerium, mit der Verwandlung Schalplatte zu CD beschäftigt. Dann habe ich im Kabinett des Kulturministers die Finanzsysteme der Filmindustrie modernisiert, dann habe ich angefangen in der Oper zwei Jahre. Dann bin ich wieder mit dem Kulturminister beschäftigt gewesen, und dann wurde ich Generaldirektor der Paris Oper mit 33, nur zwei Jahre geblieben, dann bin ich wieder im Kabinett des Premierministers, und dann war meine Laufbahn dann später klar. Ich bin vier Jahre Operndirektor in Lausanne geworden, dann elf Jahre Direktor des Theater de Champs-Elysées, das ist die wichtigste Konzerthalle von Paris, wo man Opern spielt, und seit vier Jahren bin ich jetzt an der Staatsoper.

Ginge es auch ohne Deinem Werdegang?

Natürlich kann man diese Position erreichen mit anderen Werdegängen. Weil es gibt keine sichere Spur. Man muss zuerst eine tiefe Leidenschaft zur Oper haben, das geht nur davon, weil natürlich kann man nicht alles in der Uni studieren, zum Beispiel, ob eine Stimme zu einer Rolle geeignet ist, können Sie nicht in einer Schule studieren. Das ist eine Sache von Kenntnis und Erfahrung. Dann muss man auch, glaube ich, mit Leute umgehen können. Weil, es gibt so verschiedene Berufe, wir haben viele Künstler hier, wir haben ein Orchester, wir haben ein Ballett, wir haben Solisten, wir haben Choristen, gut, Pianisten, ... , Regisseure, aber wir haben auch Techniker, wir haben Leute, die eine Verwaltungsarbeit machen. Die andere Dimension ist vielleicht die, also natürlich die Fähigkeit, ein Unternehmen zu leiten, in einem, in einer internationalen Umgebung. Man muss mehrere Sprachen sprechen, also, es gibt keinen Tag, wo ich nicht deutsch, englisch, französisch, italienisch spreche. Das ist jeden Tag so.