Safe im Internet – einfache Tipps, wie du deine Daten schützen kannst

Von Sabrina
9.11.2021

Warum ist meine Privatsphäre so wichtig, ich habe ja nichts zu verbergen, oder?

Barbara: So sehen das viele Jugendliche, ja. Sie glauben oft, dass private Daten nur jene Daten sind, die sie vor ihren Eltern geheim halten wollen. Den meisten ist durchaus bewusst, dass ihre Daten genutzt und ausgewertet werden. Oft finden sie es sogar ganz angenehm, wenn sie die richtige Werbung eingespielt bekommen. Das nehmen sie in Kauf, denn schließlich bekommen sie auch etwas dafür. Einige Apps kann man gar nicht benutzen, ohne den Zugriff auf bestimmte Daten zu erlauben. Wichtig ist aber, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, welche Daten zum Problem werden können.

Welche Probleme kann ich bekommen?

Barbara: Wenn du deine Telefonnummer öffentlich postest, dann kann es passieren, dass du Anrufe bekommst. Das kann einfach nur Werbung sein, oder du könntest belästigt werden. Postings wie „Ich bin partysüchtig“ werden womöglich falsch verstanden. Auch Bilder und Videos können zum Problem werden, wenn sie einmal im Internet kursieren. In meiner Arbeit merke ich, dass Volksschüler bereits ein sehr ausgeprägtes Bewusstsein dafür haben, welche Bilder problematisch sein könnten. Die heute 14- bis 15-Jährigen sind nicht so gut darin.

Den meisten Jugendlichen ist bewusst, dass ihre Daten ausgewertet werden.

Wichtig ist dieses Bewusstsein auch bei der Nutzung von Apps. Hier solltest du vorsichtig sein, wenn die App auf bestimmte Daten zugreifen möchte, die mit ihrer Funktion nichts zu tun haben. Eine Taschenlampen-App braucht zum Beispiel keinen Zugriff auf deinen Standort oder ein wissenschaftlicher Taschenrechner muss deine Kontaktdaten nicht auslesen können. Bei Android Smartphones solltest du nach einer anderen App suchen, wenn eine App zu solchen Daten Zugriff haben möchte. Bei iPhones kannst du die Zugriffsberechtigungen in den Einstellungen beschränken. Einige Apps, etwa Augmented Reality Spiele wie Pokémon Go, benötigen den Standort, damit man spielen kann. Dass sich hier vielleicht auch Dritte Zugriff auf diesen verschaffen können, kann niemand ausschließen.

3 einfache Tipps, wie ich mich schützen kann

Barbara: Schau in erster Linie, welche Einstellungen sich für deine sozialen Netzwerke ändern lassen. Bei Instagram kannst du deinen Account zum Beispiel auf einen privaten Account umstellen. Wenn du einen öffentlichen Account hast, kann jeder deine Bilder über eine Suchmaschine finden und ansehen. Bei einem privaten Account braucht man zumindest einen Instagram Zugang, sowie die Bestätigung der Abo-Anfrage, die die Einsicht auf die Fotos gewährt. Solche Einstellungen zum Datenschutz gibt es in fast allen sozialen Netzwerken. Du kannst außerdem schauen, dass auf deinen Bildern und Videos keine Hinweise auf private Dinge zu finden sind. Wenn du dich selbst für ein Youtube Video filmst, dann wähle den Hintergrund so, dass man keine Rückschlüsse auf deinen Wohnort ziehen kann. Als dritten Tipp rate ich, Nicknames so zu wählen, dass andere nicht herauslesen können, wie alt du bist oder ob du ein Mädchen oder ein Junge bist.

Welche Fehler machen Jugendliche häufig im Netz?

Barbara: Viele sind zu leichtgläubig und denken nicht weiter über Konsequenzen nach. Ein Mädchen verliebt sich zum Beispiel in einen Burschen und schickt ihm ein Oben-ohne-Foto. In dem Moment vertraut sie natürlich darauf, dass er das Bild niemandem zeigt. Auch beim Chatten erzählen Jugendliche oft Dinge, die sie in der Schule niemals erzählen würden. Online hat man weniger Hemmungen. In der Arbeit mit Jugendlichen stelle ich immer wieder fest, dass gerade Bilder oder weitererzählte Geheimnisse zum Problem werden können.

Besonders bei Sachen wie Sextortion ist die Dunkelziffer sehr hoch, da das ein sehr heikles Thema ist. Meistens sind Burschen davon betroffen. Sie werden von „hübschen Mädchen“ angechattet und lassen sich von ihnen dazu überreden, über Videochat zu masturbieren. Mit dem aufgezeichneten Videomaterial können sie anschließend erpresst werden. Generell sollte man bei allen Dingen, die zu schön sind, um wahr zu sein, die Augen offen halten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es eine Falle ist, ist sehr hoch.

Welche Daten gehören nicht ins Internet?

Barbara: Bankdaten haben öffentlich im Internet nichts verloren, werden aber immer häufiger durch sogenanntes Phishing auch über die sozialen Medien abgefragt. Klassisch kennt man das ja aus E-Mails, in denen man dazu verleitet wird, geheime Daten wie Pin-Codes weiter zu geben. In WhatsApp passiert das zum Beispiel häufig durch Kettenbriefe. Viele klicken da sehr leichtfertig drauf, laden sich damit aber ein Virus aufs Handy oder schließen ungewollt ein Abo ab. Die Grenze zwischen Datenschutz und Netzkriminalität ist hierbei fließend.

Wie kann ich herausfinden, was alles über mich im Internet steht?

Barbara: Zunächst einmal kannst du dich selbst googeln. Dabei ist es wichtig, dass Vorname und Nachname unter Anführungszeichen gesetzt werden, damit du genau diese Kombination findest. Du kannst auch einen Google Alert setzen. Dann benachrichtigt dich Google, wenn dein Name irgendwo gepostet wird. Auch direkt in den sozialen Netzwerken kannst du nach deinem Namen oder auch deinem Nicknamen suchen. Bei Facebook kannst du außerdem in den Privatsphäre-Einstellungen festlegen, was welche Person auf deiner Seite sehen kann. Bei Instagram gibt es diese Einstellung leider nicht. Da ist entscheidend, ob du ein privates oder ein öffentliches Profil hast und somit allen, oder nur ausgewählten Personen Zugriff auf deine Fotos gestattest.

Ich möchte, dass bestimmte Inhalte über mich aus dem Internet verschwinden. Was kann ich tun?

Barbara: Wenn die Inhalte aus deinen eigenen Profilen stammen, dann lösche sie oder im schlimmsten Fall lösche auch dein ganzes Profil. Dabei reicht es nicht, die App vom Handy zu löschen, was viele Jugendliche glauben. Statt dessen musst du dich am Computer in dein Profil einloggen und dort explizit auf „Konto löschen“ klicken. Damit sind diese Inhalte zumindest nicht mehr so leicht zugänglich. Man sollte sich zudem bewusst sein, dass man sich nie sicher sein kann, ob die Daten komplett gelöscht werden.

Der Einstieg in die sozialen Netzwerke ist heutzutage mit 9 bis 10 Jahren.

Meistens werden Bilder oder ähnliche Daten erst zum Problem, wenn sie sich bereits im Internet verbreitet haben oder von anderen gepostet wurden. Wenn eine Bitte, diese zu löschen, nicht hilft, gibt es verschiedene Stellen, an die du dich wenden kannst. Außergerichtliche Schlichtstellen, die sich auf Cyber-Mobbing spezialisiert haben, können helfen. Auch bei der Initiative Saferinternet.at kann man sich diesbezüglich beraten lassen. Wir haben einen direkten Draht zu den sozialen Netzwerken und können oft mehr bewirken als Jugendliche alleine. Aus Erfahrung weiß ich, dass Facebook beispielsweise Daten löscht, wenn diese mit Cyber-Mobbing in Verbindung stehen. Auch Google nimmt betroffene Seiten aus den Suchergebnissen. Das ist aber natürlich von Fall zu Fall verschieden.

Wie gehe ich vor, wenn ich gemobbt werde?

Barbara: Zunächst einmal solltest du alle Beweise sammeln. Lösche nichts, nur weil du es nicht wahrhaben möchtest oder dich dafür schämst. Mache Screenshots, lade die Bilder herunter und speichere sie am besten extern. Als zweiten Schritt suche dir jemanden, mit dem du darüber reden kannst. Das können deine Eltern oder auch ein Lehrer sein, dem du vertraust. Wenn du niemanden weißt, wende dich an Rat auf Draht, um nicht alleine entscheiden zu müssen, wie du weiter vorgehst. Auf keinen Fall solltest du mit den selben Waffen zurückschlagen. Wir erleben leider immer wieder, dass Jugendliche, die zuerst selbst Opfer waren, zu Tätern werden. Sie sind so verzweifelt, dass sie sich nicht mehr anders zu helfen wissen. Such dir also Hilfe und überlege dir, wie du deine Situation in den Griff bekommen kannst, ohne dich selbst dabei strafbar zu machen.

Barbara Buchegger beschäftigt sich seit 1997 mit E-Learning Tools und Methoden für den Unterricht. Da sich durch die Nutzung der neuen Medien auch Probleme in den Schulen ergeben haben, wurden Cybermobbing und Datenschutz für sie zum Thema. Sie unterrichtet an der FH Wien und der FH Hagenberg und ist pädagogische Leiterin der Initiative Saferinternet.at.