Gerber*in

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Mode, Textil & Leder

Wie werde ich Gerber*in?

auch bekannt als Rotgerber*in, Weiß- und Sämischgerber*in

Gerber*innen verarbeiten Großviehhäute und Kleintierfelle zu Leder. Großviehhäute stammen vorwiegend von Rindern, Kleintierfelle von Ziegen und Schafen. Das Erzeugnis der Gerber*innen ist Leder für Möbel, Schuhe, Handschuhe, Taschen, Bekleidung, Riemen usw. Gerber*innen arbeiten mit speziellen Gerber- und Spaltmaschinen, Färbetrommeln usw. und verwenden Gerbstoffe, Farben und Imprägniermittel.

Sie arbeiten meist in gewerblichen Werkstätten in wenigen Fällen auch in der Lederindustrie, zusammen mit Berufskolleg*innen und Vorgesetzten zusammen und haben Kontakt zu Kund*innen und Lieferant*innen.

Arbeiten als Gerber*in

Arbeitsumfeld

Gerber*innen behandeln Häute mit pflanzlichen Gerbstoffen wie Rinden, Hölzer und Blätter (Rotgerberei) und erzeugen daraus Leder für Möbel (z. B. Sitzgarnituren und Autositze, Schuhe und Riemen). Bei der Behandlung der Häute mit mineralischen Gerbstoffen, wie Chrom- und Aluminiumsalze (Weißgerberei) oder mit fetten Gerbstoffen wie Fischölen (Sämischgerberei) werden Leder für Bekleidung, Handschuhe, Taschen, Riemen usw. hergestellt. Die Ausgangsmaterialien für die Gerbung sind Häute und Felle von Rindern, Ziegen und Schafen. Die Umwandlung der Haut in Leder findet während der Gerbung statt.

Vor dem Gerben beginnen Gerber*innen damit, Häute und Felle zu sortieren und sie auf Fehler zu untersuchen. Die zu bearbeitenden Häute und Felle sind bereits durch Einsalzen von den Lieferfirmen konserviert oder sie werden "grün" (ohne Vorbehandlung) angeboten. Gerber*innen "weichen" nun die Häute ein, d. h. sie legen sie zur Reinigung in Wasser. Dadurch quellen die Häute auf. Danach "äschern" sie die Häute, d. h. sie entfernen die Haare der Haut unter Zusatz von Chemikalien. Sie "blößen" die Häute, d. h. sie entfleischen sie mit Messerwalzen und "spalten" sie in Spaltmaschinen. Dadurch trennen sie den minderwertigen "Fleischspalt" vom ästhetisch anspruchsvolleren "Narbenspalt" (Außenteil der Haut). Sie waschen nun die Häute, um Enthaarungschemikalien zu entfernen und lösen restliche Haar- und Fettreste durch Beizmittel.

Gerber*innen legen dann die vorbereiteten Häute in Fässer ein und fügen Gerbstofflösungen aus Blättern, Rinden und Hölzern, Chrom- und Aluminiumsalzen oder Fischölen hinzu. Sie lassen die Häute in der Gerbstofflösung zum Gerben liegen. Vor allem in der industriellen Lederproduktion werden die Gerbfässer auch durch spezielle, oft computergesteuerte, Maschinen ersetzt. Hier sind Gerber*innen auch für einfache Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten zuständig.

Danach entnehmen sie diese, pressen das aufgenommene Wasser an einer Abwalkpresse ab und walzen die Häute gleichmäßig. Sie färben und fetten Häute mit Farb- und Fettlösungen, trocknen und bügeln sie und färben sie abschließend ein weiteres Mal. Bei Velours- und Nubukleder schleifen sie vor der Zurichtung eine Seite des Leders an, damit der für diese Lederarten typische Samteffekt erzielt wird.

Aufgaben

  • die Rohware (Häute, Felle) auf Fehler prüfen, sortieren, lagern und für die weitere Verarbeitung vorbereiten
  • Häute "einweichen": durch Einlegen in Wasser reinigen
  • Häute "äschern": die Haare der Haut unter Zusatz von Chemikalien entfernen
  • Häute "blößen" (=mit Messerwalzen entfleischen) und in Spaltmaschinen "spalten" (= Trennung des minderwertigen "Fleischspalts" vom ästhetisch anspruchsvolleren "Narbenspalt")
  • Häute waschen, um Enthaarungschemikalien zu entfernen, restliche Haar- und Fettreste durch Beizmittel lösen
  • vorbereitete Häute in Fässer einlegen oder mit Maschinen gerben
  • pflanzliche (Blätter, Rinden, Hölzer), mineralische (Chrom- und Aluminiumsalze) oder synthetische Gerbstofflösungen hinzufügen, Häute in der Gerbstofflösung liegen lassen
  • Häute aus der Gerblösung entnehmen, aufgenommenes Wasser an einer Abwalkpresse herauspressen, Häute gleichmäßig walzen
  • Häute mit Farb- und Fettlösungen färben und fetten, trocknen, nachgerben, falzen, finischen und bügeln oder prägen
  • Maschinen- und Anlagen zur modernen Gerberei steuern und überwachen
  • Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten an den Maschinen und Anlagen durchführen
  • Qualität des Verarbeitungsprozesses und der Endprodukte kontrollieren

Arbeitsmittel und Ausrüstung

Gerber*innen arbeiten mit Gerbfässern, an speziellen Gerbermaschinen, Färbetrommeln, Abwalk- und Walzmaschinen, Spaltmaschinen sowie Maschinen und Einrichtungen zum Entwässern und Trocknen von Leder, zum Bürsten, Glätten, Prägen und Aufbringen von Farben und Imprägniermitteln. Sie setzen verschiedene Messer, Maßbänder usw. ein. Sie verwenden die Gerbstofflösungen (aus Blättern, Rinden, Hölzern, Chrom- und Aluminiumsalze, Fischöle), Beizmittel (u. a. eiweißabbauende Enzympräparate) und verschiedene Chemikalien.

Auch in der Lederproduktion hat die moderne Produktionstechnik Einzug gehalten. Vor allem in Industriebetrieben arbeiten Gerber*innen mit modernen elektronisch bzw. digital gesteuerten Produktionsmaschinen und -anlagen und nutzen branchenspezifische CAD- und CAM -Softwareprogramme für die Verarbeitung und Veredelung der Lederprodukte.

Aus- & Weiterbildung

Weiterbildung und Spezialisierungen

Gerber*innen sind beruflich immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Voraussetzung für Erfolg in diesem Beruf ist es, immer auf dem neuesten Stand der Entwicklung zu bleiben und das Fachwissen, die Methodenkompetenzen und sozialen Kompetenzen laufend zu ergänzen und zu vertiefen.

Für Gerber*innen gibt es nur relativ wenige fachspezifische Weiterbildungsmöglichkeiten. Weiterbildungseinrichtungen wie z. B. das Berufsförderungsinstitut (BFI) und das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) bieten vor allem Kurse und Lehrgänge für die Bereiche Produktionssteuerung, Betriebsführung und Qualitätsmanagement sowie viele kaufmännische Themenbereiche an.

Zur Vermittlung von Anwendungskenntnissen neuer Techniken oder Maschinen (z. B. digitale Steuerung) bieten viele Herstellerfirmen eigene Schulungen an. Die meisten Weiterbildungsmöglichkeiten werden betriebsintern durchgeführt.

Aufgrund des hohen Konkurrenzdrucks auf die österreichische Ledererzeugung und -verarbeitung durch billigere ausländische Produkte und den zunehmenden Automatisierungsgrad der industriellen Fertigung ist die laufende Weiterentwicklung durch Weiterbildung und Spezialisierung für Fachkräfte in diesem Bereich besonders wichtig. Dadurch die hohe Qualität ihrer Arbeit und die laufende Weiterentwicklung ihrer spezialisierten Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen bleiben Gerber*innen konkurrenzfähig und finden interessante Beschäftigungsmöglichkeiten vor, insbesondere in anderen Bereichen der Textil-, Leder- und Modebranche.

Möglichkeiten zur beruflichen Höherqualifizierung bieten außerdem Vorbereitungs- und Aufbaulehrgänge für Berufstätige an berufsbildenden höheren Schulen, insbesondere an Bundeslehranstalten für Chemie.
Mit dem Abschluss eines Aufbaulehrganges (3 Jahre) ist neben einer höheren Fachqualifikation außerdem die Matura verbunden, die ein Studium an Fachhochschulen und Universitäten (z. B. Qualitätsmanagement) ermöglicht.

Studium ohne Matura:

Für ein Studium an einer Fachhochschule, Universität oder Pädagogischen Hochschulen ist normalerweise die Matura einer Allgemeinbildenden (AHS) oder Berufsbildenden Höheren Schule (BHS) erforderlich.
Es bestehen aber auch andere Zugangsmöglichkeiten:

  • Berufsreifeprüfung (Lehre mit Matura): Die Berufsreifeprüfung, die du bereits während deiner Lehrzeit beginnen kannst, ist eine vollwertige Matura, mit der du uneingeschränkten Zugang zum Studium hast.
  • Studienberechtigungsprüfung: Die Studienberechtigungsprüfung kannst du vor Beginn eines Studiums ablegen. Sie ermöglicht den Zugang zu einem bestimmten Studium.
  • ohne Matura mit Berufsausbildung und Berufserfahrung: Fachhochschulen bieten außerdem meist die Möglichkeit mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung (insb. Lehre oder Berufsbildender Mittlerer Schule (BMS)) und mehrjähriger Berufserfahrung auch ohne Matura ein facheinschlägiges (d. h. mit der Berufsausbildung fachlich verwandtes) Bachelorstudien zu beginnen. Meist müssen dazu einzelne Zusatzprüfungen absolviert werden.