Clemens HellsbergVorstand der Wiener Philharmoniker
Karriere Level
Führungskraft

“Der direkte Kontakt mit den Spitzenkünstlern unserer Zeit” und “das ständige Zusammenspiel, die Zusammenarbeit mit den Mitgliedern unserer Vereinigung” ist das Coolste an Clemens Hellsbergs Beruf als Vorstand der Wiener Philharmoniker. Was neben der Mitgliedschaft am Verbund, dafür erforderlich ist? “Es ist sehr wichtig, nicht nur die Fähigkeit zu haben, den Verein nach außen zu repräsentieren, sondern es ist auch sehr bedeutend, langfristig denken zu können."

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Transkript

Drei Ratschläge an Dein 14jähriges Ich!

Zunächst mal, ich würde gerne noch weiter zurückgehen, ungefähr in die Zeit, als ich Geige spielen begonnen habe. Das war mit viereinhalb, vielleicht nicht ganz so früh, aber ungefähr mit ganz knapp Vorschulalter. Ich würde, erstens mal wüsste ich jetzt, was ich wie üben würde. Zweitens würde ich den Rat geben, unbedingt Sprachen zu lernen, da würde ich also ganz, ganz anders noch vorgehen. Und ich würde noch viel intensiver und noch ausführlicher in der Ausbildung mich mit Musiktheorie beschäftigen.

Was steht auf Deiner Visitenkarte?

Auf meiner Visitenkarte steht Wiener Philharmoniker, Prof. Dr. Clemens Hellsberg, Violine, Vorstand.

Was ist das coolste an Deinem Job?

An meiner Funktion ist, sind zwei Dinge faszinierend, das eine ist der direkte Kontakt mit den Spitzenkünstlern- und künstlerinnen unserer Zeit. Das sind die Dirigenten, das sind Sängerinnen, die Sänger, die Solistinnen, die Solisten. Also das ist schon etwas, was man, denn viele dieser Menschen sind ja jetzt nicht nur einseitig auf ihrem Gebiet eben, ganz außerordentliche Begabungen, sondern die sind auch durchaus vielseitig interessiert, kommen viel in der Welt herum, wissen viel, haben viel erlebt, und das ist eine ungeheure Bereicherung auch, und Erweiterung des eigenen Horizontes. Das ist das eine. Und das andere ist diese, das ständige Zusammenspiel, die Zusammenarbeit mit den Mitgliedern unseres Vereins, unserer Vereinigung. Das ist natürlich eine Sache, da kommt auf der einen Seite dieses, das künstlerische Element, auf der anderen aber auch das menschliche. Und das lerne ich alles sehr hautnah kennen.

Welche Einschränkungen bringt Dein Job mit sich?

Für mich persönlich ist jetzt die Gestaltung eines Programmes, zum Beispiel gerade dieser, der anspruchsvollsten eben, Neujahrskonzert und Sommernachtskonzert, weil die aus vielen Werken bestehen. Für mich ist die Zusammenarbeit da mit dem jeweiligen Dirigenten, das ist ungeheuer inspirierend, und das fasziniert mich immer auf's neue. Aber es gibt andere Teilbereiche, vor allem diejenigen, die mehr ins bürokratische, ins juristische gehen, die für mich schwerer zugänglich sind. Gut, wir haben da natürlich unserer Berater, unsere Experten, und ich lasse mir auch immer alles, also da wirklich jeden Schritt, genau erklären und auch die Zusammenhänge, und die Hintergründe, aber ist, das ist nicht etwas, was ich von Haus aus zu meinem Lebensinhalt gemacht hätte.

Worum geht es in Deinem Job?

Seit der Gründung im Jahr 1842 sind die Wiener Philharmoniker eine völlig unabhängige Organisation, ein privater Verein, keine Subvention der öffentlichen Hand, und seit eben 1842 hat sich das Orchester immer selbst verwaltet. Also sowohl in organisatorischer, als auch in finanzieller und natürlich in künstlerischer Hinsicht. Und es geht bei der Funktion des Vorstandes, geht es darum, man präsidiert unserem Verwaltungsausschuss, das ist, der besteht aus zwölf Mitgliedern, alles gewählte Mitglieder, und der hat den Vorsitz in den Hauptversammlungen, also der Zusammenkunft der aktiven Mitglieder. Und natürlich führt man, also mache in Zusammenarbeit, in enger Zusammenarbeit mit unserem Geschäftsführer, das ist derzeit Dr. .. , erster Flötist. Wir führen die ganzen Verhandlungen mit Dirigenten, mit Veranstaltern, mit diversen Managern. Es geht auch darum, in der Funktion des Vorstandes den Verein nach außen zu vertreten, das heißt also, die offiziellen Darstellungen des Vereins zu geben. Ich habe über das Jahr gesehen zumindest eine siebzig-Stunden-Woche, also im Schnitt, jetzt auf 52 Wochen gerechnet, das heißt eigentlich mehr als zehn Stunden pro Tag im Schnitt. Und da, also, es gibt keinen, da fällt der sogenannte Urlaub auch hinein, oder Weihnachten und so, ich komme auf diesen, etwa auf diesen Schnitt, und der ist, ungefähr 30 Prozent davon ist Beschäftigung mit der Geige, sowohl üben, als auch Orchester spielen, als auch Kammermusik. Der Rest, also ich würde sagen, zwei Drittel etwa sind administrative Arbeiten.

Wie sieht Dein Werdegang aus?

Ich habe mit viereinhalb Jahren begonnen, Geige zu spielen, und dann mit ungefähr sieben Jahren Klavier. Habe mich dann später ganz auf die Geige konzentriert, habe aber trotzdem nach dem Bundesheer, habe ich sowohl Konzertfach Geige auf der Musikhochschule studiert, als auch Musikwissenschaft an der Universität Wien. Es haben mich beide Bereiche, haben mich zunächst gleichermaßen interessiert, und auch fasziniert, es war allerdings dann so, dass ich durch Zufall die Möglichkeit gehabt habe, bei den Wienern Philharmonikern, und dann in der Folge auch in der Wiener Staatsoper zu substituieren, und nachdem ich immer schon ein großer, sehr begeisterter Opernfan war, und natürlich auch in sehr viele Konzerte gegangen bin, war das eine Welt, die mir auf der einen Seite sehr nahe war, die war trotzdem, jetzt aus dieser Perspektive komplett neu war, und ich habe nach kurzer Zeit gemerkt, ich möchte ausübender Musiker werden, und ich möchte es in diesem Orchester werden. Ich bin 1976 engagiert in der Wiener Staatsoper, zunächst bei der zweiten Geige, habe dann nochmal ein Probespiel gemacht, wurde zwei Jahre später Primgeiger, bin 1980 in den Verein Wiener Philharmoniker aufgenommen worden, habe dort das historische Archiv zunächst der Wiener Philharmoniker aufgebaut, war von 1990 bis '93 und 1996, '97 Vizevorstand, und bis, seit 1997 Vorstand der Wiener Philharmoniker.

Ginge es auch ohne Deinem Werdegang?

Unbedingte Voraussetzung ist natürlich die Mitgliedschaft bei den Wiener Philharmonikern, beziehungsweise im Staatsopernorchester. Das heißt, man muss ein Instrument beherrschen. Ansonsten ist für diese Funktion einerseits soziale Kompetenz erforderlich, es ist auch ganz wichtig, jetzt nicht nur die Fähigkeit auch den Verein nach außen zu repräsentieren, sondern es ist schon auch sehr bedeutend, langfristig denken zu können, und weit voraus zu planen.