Dieter KaltEishockeytrainer/Nachwuchsleiter, EC-KAC
Stadt
Wörthersee

“Ich mache etwas, das ich mein ganzes Leben geliebt habe, ich habe den Bezug zu diesem Sport nie verloren”, verrät Dieter Kalt über seinen Job als Eishockeytrainer und Nachwuchsleiter beim EC-KAC. Wichtig dabei: “Um etwas weitergeben zu können, das kann man nicht aus einem Buch herauslernen, muss man selber dieses Gefühl einmal gehabt haben im Herzen.”

Transkript

Drei Ratschläge an Dein 14jähriges Ich!

Macht’s euch nicht zuviel Gedanken, folgt’s eurem Herz. Lasst’s euch nicht einreden, dass ihr irgendwas nicht könnt, dass ihr in irgendetwas nicht gut seid. Wenn ihr an etwas glaubt, etwas gern macht und mit Leidenschaft dann werdet ihr auch gut werden darin. Und Niederlagen sind nicht das Ende der Welt. Man muss einfach nur wieder aufstehen und es noch einmal weiter versuchen.

Was steht auf Deiner Visitenkarte?

Berufsbezeichnung ist Nachwuchsleiter. Und ich arbeite beim EC KAC, im Eishockey-Club in Klagenfurt.

Was ist das coolste an Deinem Job?

Ich mach’ etwas, was ich mein ganzes Leben lang geliebt hab’. Ich hab’ den Bezug zu diesem Sport nie verloren. Alle die gesagt haben, ich werd’ das nie schaffen, das nutzt nix, hättest was gscheits gelernt, den hab’ ich persönlich eines Besseren belehrt. Ich hab’ an das geglaubt, hab’ an mich geglaubt und hab’ hart gearbeitet und hab’ damit etwas erreicht. Und ich hab’ eine Ausbildung über 30 Jahre lang genossen, die eigentlich unbezahlbar ist und die mich unterscheidet von anderen. Und jetzt kann ich dieses Wissen an andere Leute weitergeben und diese Leidenschaft. Und wenn mir das gelingt, dann bin ich zufrieden. Dass was du von Kindern, im Moment zum Beispiel, zurückkriegst, wenn du dich wirklich anstrengst, dieses Lächeln…Das seh’ ich bei mir zuhause bei meinen eigenen Kindern, das seh’ ich am Eis bei den Kindern mit denen wir jetzt arbeiten und das ist sicher das Coolste am ganzen Job.

Welche Einschränkungen bringt Dein Job mit sich?

Ja nachdem, da ich relativ neu bin in dem Job, ist als sogenannter Profi in vielen Bereichen mit Amateuren zusammenzuarbeiten, die nicht die gleichen Ansprüche an sich selber und an ihre Aufgabe stellen, wie du selber. Es gibt finanzielle Einschränkungen, dass nicht das umgesetzt werden kann, was allgemein erwartet wird oder was du für eigene Erwartungen an deine Aufgabe hast. Einschränkungen auch dahingehend, dass nicht längerfristig privat geplant werden kann, weil es immer kurzfristige Engagements sind, die bei Erfolg verlängert werden oder bei allgemeiner Zufriedenheit oder eben nicht. Und dann ist das Problem, dass es in Österreich jetzt nicht so viele Jobs in diesem Bereich gibt, dass man sich das so leicht aussuchen könnte.

Worum geht es in Deinem Job?

EC KAC, der Traditionsverein im österreichischen Eishockey. Die ganz große Sportmarke in Österreich. Das Wichtigste ist einmal für den Job des Nachwuchsleiters, für mich: Aufbau des richtigen Trainer-Stabes, auf alle Fälle. Klare Richtlinien, wie gearbeitet werden soll. Gewisse Rahmenbedingungen vorgeben und die richtigen Mitarbeiter finden, die innerhalb dieses Rahmens das ausfüllen können. Wie in den einzelnen Altersgruppen zum Beispiel gearbeitet und trainiert wird. Das ist jetzt Bereich am Eis und auch wichtiger Teil Off-Eis. Das ist mal der wichtigste Teil. Vorgeben eines sportlichen Konzeptes, wie eine Entwicklung über ein paar Jahre, von den Kleinsten bis zu den Großen, bis sie den Sprung in den Profisport schaffen sollen, wie gearbeitet werden soll. Welche Stufen sind da dazwischen, was muss gelernt werden oder wie will der KAC dass Eishockey gespielt wird. Das ist einmal das Eine. Das Andere ist: Natürlich Erstellen eines Businessplans, sozusagen, Einhalten eines gewissen budgetären Rahmens. Die 3 Säulen auf denen unser Konzept aufgebaut sein soll: Schule, Familie und Sport in Einklang zu bringen, da Projekte auszudenken und dann eben auch umzusetzen. Und das Andere ist eigentlich: Viel Kommunikation, viele Elterngespräche. Gespräche mit potentiellen oder aktuellen Sponsoren. Gespräche mit Spielern, die gerne wissen wollen, wie es mit ihnen weitergeht. Die Planungen in oberen Jahrgängen, wie ihre Chancen stehen. Feedback-Gespräche, Feedback-Gespräche mit den Trainern, auch Kritik vielleicht. Dann natürlich den ganzen Nachwuchs des KAC nach außen präsentieren, du bist auch das Gesicht des Vereins in diesem Bereich zum Beispiel. Und weil ich gesagt hab’, dass es uns wichtig ist, dass wir in einem Team zusammenarbeiten: Wir arbeiten eigentlich auch Aufgabengebiet-übergreifend zusammen. Es ist nicht so, dass wir uns nur um den Nachwuchs kümmern, wir sind auch eingebunden in Gespräche, was die Profi-Mannschaft zum Beispiel angeht oder den Fan-Sektor. Oder den Auftritt nach Außen. Alle diese Sachen, fließen in das Aufgabengebiet mit ein.

Wie sieht Dein Werdegang aus?

Mein sportlicher Werdegang hat angefangen, bevor mein schulischer Werdegang begonnen hat. Angefangen ungefähr mit 3 Jahren eigentlich mit dem Eislaufen, Eishockeyspielen hier beim Verein. Ich hab’ in meiner Freizeit eigentlich auch nix anderes gemacht außer mich sportlich betätigt, das war mein Hauptinteresse. Bin eher ländlich aufgewachsen, da war der Wald und die Wiese gleich daneben, die Kinder waren draußen. Ganz normale, schöne Kindheit in dieser Richtung verlebt. Dann Volksschule, Gymnasium mit Matura abgeschlossen in Klagenfurt. Daneben Eishockey gespielt, ich war mit 16 schon Teil der Kampfmannschaft des KAC. das war sehr früh, hab daneben meine schulische Karriere beendet. Und für mich war klar, ich wollte unbedingt Eishockey-Profi werden, da war dann die große Entscheidung, soll mas riskieren oder soll ma doch den Wert auf die berufliche Ausbildung oder auf’s eventuelle Studium danach legen. Ich hab’ begonnen Jus zu studieren in Graz. Hab’ dann immer so ab Ende der Saison, so ab April/Mai versucht Prüfungen in Graz abzulegen. Hab’ aber relativ schnell gemerkt, dass den damaligen Professoren das relativ egal war, dass der Dieter Kalt aus Klagenfurt Eishockey gespielt hat. Und das war halt nur sehr, sehr zäh. Und ich bin dann in jungen Jahren, 1996, nach Deutschland übersiedelt. Hab’ einen Profivertrag in Mannheim, bei den Mannheimer Adlern unterschrieben. Und somit war das Studium einmal ad acta gelegt weil beides war unmöglich zu bewältigen. Für mich gibt’s da nur eines, entweder 100 Prozent und konzentrieren auf eine Sache oder es lassen. So mitten drinnen, der Typ dafür bin ich nicht. Und hab’ dann 2 Jahre in Mannheim gespielt, bin dann für kurze Zeit wieder zurück zum KAC gekommen. Bin dann nach Nordamerika übersiedelt für 1 Jahr, war dann 1 Jahr in Los Angeles und bin zurück - da muss ich nachdenken, muss ein bissl in die Luft schauen - und bin nach Köln übersiedelt. War danach dreieinhalb Jahre in Schweden, bin zurück gekommen nach Wien. Von Wien nach Salzburg zu Red Bull, war ich ein paar Jahre bei Red Bull und noch einmal in Schweden ein paar Monate. Und ich glaub’ ich bin 2009 nach Klagenfurt zurück gekommen. Hab’ dann meine aktive Karriere 2012 hier in Klagenfurt beendet und bin dann als Profitrainer, als Assistenz-Trainer von der Profi-Mannschaft, in den anderen Teil der Arbeit eingestiegen. Hab’ dann während meiner aktiven Karriere die Trainerausbildung begonnen und abgeschlossen, das hat 3 Jahre gedauert. Hab’ auch dazwischen in Salzburg wieder einmal BWL studiert, auf einer privaten Uni, auf der Privatuni Seeburg. Hat mir sehr gut gefallen. Und bin jetzt im Nachwuchs-Bereich, als Nachwuchsleiter, im Endeffekt einen Schritt vom Profi-Sport weggegangen. Das war für mich ganz wichtig, ich will alle Aspekte, alle Bereiche dieses Eishockey-Geschäfts, des Sportgeschäfts, kennenlernen. Im aktiven wie im administrativen Bereich und ein bissl weg vom Profigeschäft. Und jetzt eben mit Kindern arbeiten.

Ginge es auch ohne Deinem Werdegang?

Nein, also das muss ich ganz klar so beantworten. Für gewisse Sachen reicht theoretisches Wissen, das ist überhaupt gar keine Frage. Ich glaub’, vor allem wenn du im Profi-Bereich arbeitest, musst du selber nicht unbedingt ein Eishockey-Weltklasse Spieler gewesen sein. Beziehungsweise umgekehrt heißt das, weil du ein weltklasse Eishockey-Spieler warst, heißt das nicht, dass du ein weltklasse Trainer wirst. Da geht’s um ganz andere Sachen, da geht’s darum, wie kann man eine Gruppe von 25/30 Leuten richtig führen, wie kann man die richtigen Knöpfe drücken kann, dass eine gute Leistung abgerufen wird. Da geht’s um ganz andere Faktoren. Aber wenn man jungen Leuten - Kindern, Jugendlichen etwas richtig beibringen will, dann muss das technische Wissen einfach absolut da sein. Der Blick muss da sein. Und um etwas weitergeben zu können, das kann man nicht aus einem Buch heraus lernen. Man muss selber dieses Gefühl mal gehabt haben, im Herzen. Wie es ist, vor ein paar 1000 Leuten in der Halle ausgebuht zu werden, zum Beispiel. Um einem 17-jährigen zu erklären, du was ist für dich wichtig, wenn du Profi werden willst, auf was musst du dich vorbereiten, zum Beispiel. Das kann auf irgendeinem Zettel stehen aber das sind nur irgendwelche Buchstaben auf Papier, das ist ein Gefühl das vermittelt werden muss. Und das geht eben nur, wenn man das selber durchlebt hat.