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Josef HaderKabarettist
Stadt
Wien

"Die Haupteigenschaft als Künstler ist es Charakter zu haben und diesen Charakter nicht zu verstecken." Der Kabarettist Josef Hader muss sehr viel von sich selbst preisgeben, wenn er spielt. Eigentlich ist er auf einem Bauernhof großgeworden und wollte Lehrer werden. Doch in Wien lernte er die passenden Menschen kennen und steht nun regelmäßig auf Bühnen. Was für ihn das Coolste ist? "Ich glaube, es ist Freiheit und Unabhängigkeit, die mir so gefällt an meinem Beruf."

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Transkript

Drei Ratschläge an Dein 14jähriges Ich!

Sag öfter Nein, wenn jemand was will von dir. Bleib nicht zu lang an einem Ding hängen, das du kannst, sondern versuche noch ein Zweites oder Drittes zu entdecken, was du kannst. Und spiel nicht so viele Kabarettabende, mach was anderes auch noch.

Was steht auf Deiner Visitenkarte?

Ich bin der Josef Hader und von Berufs wegen bin ich Kabarettist. Das heißt, ich schreibe Programme und spiel die allein. Dann schreib ich manchmal Drehbücher und spiele in Filmen und einmal hab ich auch Regie geführt, aber das ist für einen Beruf noch zu wenig.

Was ist das coolste an Deinem Job?

Ich glaube, es ist Freiheit und Unabhängikeit, die mir so gefällt an meinem Beruf. Ich hab keinen Chef, ich kann zu spät kommen, wie man heute bemerkt hat, ohne dass ich geschimpft werde, sondern es traut sich niemand was zu sagen. Alle freuen sich, dass ich da bin, auch wenn ich eine Viertelstunde zu spät komm. Ich hab nicht so einen endlosen Wulst an Tätigkeit, der halt jeden Tag weitergeht, sondern ich hab immer Ergebnisse. Also entweder ein Abend ist fertig und Leute applaudieren. Oder ein Drehbuch ist fertig, oder der Film ist fertig. Oder eine Szene ist fertig gedreht. Also es ist eine Arbeit, wo man immer Ergebnisse hat und die man viel stärker selber bestimmen kann als das in den meisten Berufen der Fall ist.

Welche Einschränkungen bringt Dein Job mit sich?

Das Schwierige an meinem Beruf ist, dass man halt eine große Unsicherheit hat, dass man eigentlich kein geregeltes Einkommen hat, dass man sich nicht darauf verlassen kann: Jeden Monat wird so und so viel Geld bezahlt. Das ist in meinem Fall nicht wichtig, weil ich mir halt im Lauf der Jahre einen Namen gemacht hab und dadurch immer Zuschauer da sind und ich auch Filmangebote bekomme. Hätte aber ganz anders laufen können, dass ich sehr wenig Auftritte hab, dass ich immer jeden Veranstalter anrufen muss und bitten und betteln, dass ich spielen kann, dass ich keine Filmangebote habe, dass ich jede Woche ein Casting hab und ich werde nie genommen. Also es gibt das Ganze auch in Scheiße, meinen Beruf.

Worum geht es in Deinem Job?

Ich würd sagen mein Hauptberuf ist Kabarettist und das bedeutet, dass ich viel herumfahr und am Abend Programme spiel. Seltener Filmschauspieler. Das ist eher ein Ereignis, das ist kein Alltag. Und das Schönste vom Beruf ist sowohl bei Drehbuch als auch bei Kabarettprogramm das Schreiben Das mit dem Arbeitsalltag ist genau der Grund, warum ich so glücklich bin mit meinem Beruf, weil es den nicht wirklich gibt. Weil das Angenehme ist, dass ich ständig andere Dinge mach. Die schönste Arbeit ist, glaub ich, das Schreiben. Das heißt, am Anfang ist das zäh, weil man nicht gerne mag und man ins Schreiben erst reinkommen will und einem nichts einfällt. Aber wenn man das durchhält, dann ist es wunderschön, Tag für Tag an einer Geschichte fortzuschreiben Egal ob Drehbuch oder Kabarettprogramm, ist fast die schönste Arbeit. Das Schauspielen vor der Kamera ist bei mir selten, weil ich ja nicht ständig als Filmschauspieler arbeite. Wo eher noch eine Alltäglichkeit eintreten kann, ist beim Kabarettspielen auf Tournee. Das heißt, man fährt herum und spielt vier Mal die Woche. Dann muss man sozusagen eine Möglichkeit finden, wie man jeden Abend frisch auf die Bühne kommt und das so spielt als wär's zum ersten Mal. Das lernt man aber, wie man das in sich hervorufen kann. Entweder man gibt lustige Interviews vor der Vorstellung oder man sitzt ganz still da und macht ein bisserl autogenes Training oder man macht sehr lächerliche Stimmübungen und irgendwann ist man dann so weit, dass man gern rausgeht. Im schlimmsten Fall, wenn man überhaupt keine Lust hat, mach ich Folgendes dass ich durch den Vorhang schau und mir die Menschen anschaue, die dort sitzen und ich denk mir dann: Da sitzen so erwartungsvolle Leute. Die haben alle ihre Wohnung verlassen, sind extra hergekommen, haben Eintritt gezahlt und dann ist es eigentlich immer einfach mit dem Alltag umzugehen.

Wie sieht Dein Werdegang aus?

Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen wirklich ein Einzelhof am Land, bin dann mit zehn Jahren in ein Internat gekommen und ins Gymnasium gegangen in einer Kleinstadt in einem Kloster. Aber es war ein offenes Kloster, man hat sehr viel Theater gespielt, viel Musik gemacht. Und dann bin ich nach Wien gegangen, um zu studieren, wollte Lehrer werden. Aber das mit dem Theater und auch mit dem Kabarett, das schon in der Schule eine Rolle gespielt hat ist dann immer stärker geworden. Dann hab ich das Studium an den Nagel gehängt und war dann Kabarettist und irgendwann hab ich mit einem anderen Kabarettisten gemeinsam ein Theaterstück geschrieben, das wir auf Kabarettbühnen gespielt haben und das hat dann ein Regisseur, ein junger, verfilmt und der war erfolgreich, der Film und plötzlich waren wir ... ... waren wir nicht nur Kabarettisten, sondern plötzlich auch Filmschauspieler und Drehbuchautoren. Ohne irgendwas gelernt zu haben.

Ginge es auch ohne Deinem Werdegang?

Die Sache ist die, dass das Spielen vor anderen Ich glaub nicht mehr, dass man das mit 30 beginnen kann. Ich glaube, dass diese Unbekümmertheit sich vor anderen zu produzieren oder auch dass man plötzlich draufkommt, auf der Bühne, dass man sich sogar mehr traut als im normalen Leben, weil man doch auf der Bühne, obwohl so viele Leute zu schauen in einem geschützten Bereich ist, weil es ist ja Kunst! Und man darf spucken und brüllen und man darf alles das machen, was man eigentlich im Leben nicht darf und wenn man das besonders arg macht, dann ist es noch besser. Das heißt, das muss man irgendwann einmal, glaub ich, machen, wenn man noch jung ist und bei mir war das eben in der Schule, dass ich im Schultheater plötzlich gemerkt hab: Das kann ich! Das kann ich besser als andere Dinge. Jemand, der nicht über die Schule, übers Schultheater oder über Laientheater reinkommt der später damit beginnen möchte, hat's wahrscheinlich ein bisserl schwieriger aber unmöglich ist natürlich nichts, weil das Wichtige, denk ich -- das gilt wahrscheinlich für alle Berufe Das Wichtige ist, dass man das unbedingt wollen muss. dass es einem Spaß macht, dass man auch bereit ist, ganz hart zu arbeiten, aber Spaß dran hat. Dann kann man das immer entscheiden, dann kann man das auch mit 40 noch anfangen, wahrscheinlich. Aber ich hab es leicht gehabt durch diese Jugend, wo ich schon viel von dem eigentlich gemacht hab, was ich später für meinen Beruf gebraucht hab nämlich Theater zu spielen, Schulkabarett zu machen über Lehrer. Man ist natürlich wahnsinnig erfolgreich, wenn man in der Schule Kabarett macht über Lehrer -- so erfolgreich ist man wahrscheinlich sein ganzes Leben nicht mehr. Und so viel Applaus bekommt man nie wieder. Und, ja, mehr schlecht als recht, ein Musikinstrument hab ich auch gelernt. Also ich hab eine wahnsinnig gute Vorbereitung durch diese Schule gehabt wo künstlerische Betätigungen irgendwie dazu gehört haben. Ich glaube, die Haupteigenschaft als Künstler ist wahrscheinlich eh Charakter zu haben und diesen Charakter nicht zu verstecken, sondern auszudrücken. Das gilt fürs Schreiben, das gilt fürs Kabarett. Ein Schauspieler braucht außerdem auch noch die Fähigkeit mit anderen zusammenarbeiten zu können auch die Fähigkeit sein Innerstes nach Außen zu geben, manchmal, wenn es eine Szene erfordert. Also ein sehr homöopathisches Maß an Exhibitionismus ist auch notwendig.