Josef ZotterChocolatier und Unternehmer

“Die Mitarbeiter sind das höchste Gut im Unternehmen!” Josef Zotter ist Chocolatier und Unternehmer aus Österreich. Sein Geheimnis? “Ich habe immer nur das gemacht, was mir persönlich wichtig war und wo ich das Gefühl hatte, dass ich das kann, deswegen habe ich mir relativ leicht getan.”

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Transkript

Drei Ratschläge an Dein 14jähriges Ich!

Ja, der Oberratschlag ist: Mach’ nicht soviel Schulden. Das klingt jetzt auch einfach, speziell wenn man am Start steht. Was soll man denn machen, wenn man das Geld nicht hat. Aber da ist mein Ratschlag wirklich der, dass man sagt: Mach’s wirklich klein, mach’s einmal ganz simpel. Weil die genialsten Ideen sind ja auch immer die einfachsten. Weil wenn man die Kohle hat, geht man meistens eh, fangt man beim 2. Schritt an und dann ist es wahrscheinlich gar nicht so gut. Ein anderer Ratschlag: Hör’ nicht auf andere. Frag nicht andere, was sie über deine Profession denken. Ich kann nicht jemand anderen fragen, wie würdest denn du die Schokolade machen. Das bringt nichts, das tun aber sehr viele. Weil sie einfach sich absichern wollen und damit sie dann sicherer agieren können. Damit die Bank dann einen Businessplan kriegt und sagt: Na gut, der hat sich eh bemüht, der hat eh ein Lügendezernat da hin gelegt und das wird schon gut gehen hoffentlich. Mach’ nie die Rechnung ohne den Wirt. Jetzt ist die Frage: Wer ist der Wirt? Also in meinem Fall einerseits der Lieferant, der ist mein wichtigster Partner. Der Kunde ist der Nächste, auch ein wichtiger Partner. Aber mit dem Wirten mein’ ich auch die Mitarbeiter, die sind das höchste Gut im Unternehmen.

Was steht auf Deiner Visitenkarte?

Josef Zotter, Schokolade-Andersmacher und Bio-Landwirt.

Was ist das coolste an Deinem Job?

Das Coolste ist, dass ich genau das mach’, was mir persönlich taugt. Und nicht das was andere von mir verlangen oder wollen. Und dass ich die Leute natürlich auch immer ein bissl verwirren kann, indem ich... verwirren will ich niemanden, aber zumindest zeigen, dass Dinge funktionieren die normalerweise nicht funktionieren. So wie jetzt grad, die Serie, die neue: “Insektenschokoladen”. Wenn man das jemandem erzählt wird man wahrscheinlich eher die Antwort kriegen: Na, das funktioniert sowieso nie. Wir probieren es trotzdem - immer sind wir nicht erfolgreich, aber sehr oft in der Zwischenzeit.

Welche Einschränkungen bringt Dein Job mit sich?

Es ist vielleicht immer noch so: Ich hab immer noch mehr Ideen wie was ich mir leisten kann. Das ist irgendwie noch geblieben. Auf den Zustand wart’ ich noch, dass das auch vielleicht noch passiert, dass ich sag’: Es sind weniger Ideen da, was man umsetzen kann. Also so Preisverhandlungen, Jahresgespräche - das ist etwas, was für mich ganz schrecklich ist. Und dem weich’ ich aber auch mittlerweile sehr geschickt aus.

Worum geht es in Deinem Job?

Mein Job selber ist sehr vielfältig. Wie man sich vorstellen kann in so einem Unternehmen. Das natürlich einerseits die Hard Facts auch beinhaltet, wo es um finanztechnische Dinge geht und um Unternehmensführung - mit allen Schönheiten und Schlechtheiten, wenn man das so will. Die halt da auch reinspielen. Aber mein wichtigster Job ist die Produktentwicklung. Jetzt darf man sich das aber nicht so vorstellen, dass ich da…. - ich hab mir keinen Raum eingerichtet wo ich da drin sitz’ oder arbeite und bei Nacht und Nebel die Kreationen erfinde. Sondern ich bin die letzten Jahre eher übergegangen nur mehr nachzudenken, Rezepte zu schreiben und diese umzusetzen. Also ohne Zwischenschritte, ohne Probieren - ich probier’ es selber gar nimmer aus, sondern ich mach’ nur mehr die Rezeptur fertig und so wird’s umgesetzt. Das Erste ist einmal durch’s Unternehmen hatschen, meistens im Schnellschritt. Einmal schauen ob alles läuft, ob alle Maschinen noch funktionieren und ob die Leut’ alle da sind und so. Und auch alle begrüßen, klarerweise. Und dann ist der nächste Schritt, zu checken, was so von Außen reinkommt. Sprich, emails checken und schauen halt einmal was ist wichtig, welche Termine gibt’s, ist was vorzubereiten oder nicht. Meistens läuft das eh recht spontan ab. Ja, das ist so dann die Vormittagsarbeit. Und dann geht’s über, je nachdem was halt immer ansteht. Ob es jetzt was im Bau betrifft oder ob’s jetzt um Produkte geht. Manchmal natürlich, oder sehr oft auch, hab ich natürlich was mit Kunden zu tun. Also jetzt, sprich Händler oder wenn wir Besuch kriegen von anderen Ländern oder Zwischenhändler. Am Nachmittag, gegen Abend, wenn dann alle langsam heimgehen, dann fangt meine gute Phase an meistens. Weil dann komm’ ich eigentlich zu meiner Arbeit. Dann kann ich wieder über die Produkte nachdenken, kann wieder überlegen, was werden wir als Nächstes machen, wie setzen wir’s um. Manchmal schau’ ich 2 Stunden in die Luft und dann kommt plötzlich eine Idee, und manchmal ist es in 2 Minuten da und manchmal natürlich gar nicht - ist eh klar. Ja, Außer-Haus-Termine hab’ ich natürlich auch, weil wir haben ja einen Standort in Shanghai. Da muss ich auch manchmal hin. Bin eh zuviel unterwegs aber versuch’ das immer weniger zu machen bzw. da haben wir auch Mitarbeiter die das auch erledigen. Ich versuch’ persönlich sehr, ich nenn’ das einmal so: An der Werkbank zu sein. Weil ich glaub’, dort passiert Zotter.

Wie sieht Dein Werdegang aus?

Ja, ich bin da in Bergl aufgewachsen. Und meine Eltern haben eine Landwirtschaft gehabt und ursprünglich war ich eigentlich für die Landwirtschaft vorgesehen. Aber dadurch dass das so klein war, hab’ ich dann begonnen mehrere Berufe zu lernen. Bin dann in die Lehre gegangen, hab’ Koch/Kellner, Konditor gelernt. Und bin dann anschließend durch die Welt gezogen und am Schluss halt in Amerika gewesen. Und wollt’ eigentlich in Amerika bleiben. Aber durch einen glücklichen Umstand hab’ ich meine Frau kennengelernt, bin ich wieder nach Europa halt zurückkommen. Und 1987 hab’ ich dann das Unternehmen gegründet. Gar nicht an dem Standort sondern in Graz, als Cafe-Konditorei. Und das hat sich dann langsam ganz gut entwickelt. 1996 war dann der Tiefpunkt meiner Karriere, da hab ich das Unternehmen dann leider Gottes in die Pleite manövriert. Also das Unternehmen ist in Konkurs gegangen. Konnten es aber wieder sanieren und 1999 sind wir dann an den Standort gegangen, eben nach Bergl da bei Riegersburg und hab’ mit der Schokoladenmanufaktur dann angefangen. Ja, in der Zwischenzeit ist das Unternehmen natürlich beträchtlich gewachsen, es sind mehr als 150 Mitarbeiter da beschäftigt. Es gibt eben das Schokoladentheater, es gibt den essbaren Tiergarten, es gibt mehr als 365 Schokoladensorten.

Ginge es auch ohne Deinem Werdegang?

Ja, selbstverständlich. Das was ich halt glaub, das ich richtig gemacht hab’, das war: Ich hab immer nur das gemacht, was mir persönlich wichtig war und wo ich das Gefühl gehabt hab’, dass ich das kann. Deswegen hab’ ich mir eigentlich relativ leicht immer getan. Also ich hab’ nie das gemacht was andere von mir erwartet haben, sondern immer nur das was ich für richtig gehalten hab’. Und deswegen glaub’ ich, wenn jemand das macht, wo er glaubt dass er Talent hat und dass er das gern macht, dann muss es richtig sein - das geht ja gar nicht anders.