Transkript
Hallo, ich bin Sebastian Gfellner. Ich bin Astrobiologe. Ich mache jetzt gerade meinen Doktor in Frankreich in Orléans und bin kurz vor dem fertig werden. Deshalb kann ich euch da ein bisschen einen Einblick geben in das, was ich da eigentlich gerade so mache und wie man Astrobiologe wird. Das coolste an meinem Job ist, dass es wirklich nie langweilig wird. Man hat jeden Tag neue Fragestellungen, irgendwas, worauf man nicht vorbereitet war und was man sich selbst erarbeiten oder lernen muss. Das heißt eigentlich kein Tag gleich dem anderen, was natürlich auch ein bisschen anstrengend sein kann, aber extrem spannend ist, weil man ständig aus seiner Komfortzone herauskommt und eigentlich immer weiter lernen darf. Und das ist auch wahnsinnig schön, wenn man seiner intrinsischen Motivation nachgehen kann und wirklich sagen kann, okay, das was ich so täglich mache, ist etwas, worauf ich wirklich Bock habe, was mich interessiert, wo ich meine eigenen Fragen beantworten kann. Und die Künstlerin, mit der ich gerade zusammenarbeite, Anna Steward, kann daraus noch viel mehr machen und Fragestellungen nachgehen, die mich persönlich wahnsinnig interessieren, aber ich in der Arbeitswelt nicht umsetzen kann und auch solche Freiheiten hat man in der Wissenschaft. Negativ Dinge gibt es natürlich auch. Einerseits ist man ständig im Stress, aber in einer Art von Stress, die einen dazu leitet, mehr aus sich rauszuholen. In der Wissenschaft genauso wie in der Kunst ist es immer wichtig, dass man Finanzierungen bekommt. Das heißt, man ist immer abhängig von anderen, muss viele Anträge schreiben, muss versuchen, sich selbst die Finanzierung aufzustellen, was einem allerdings auf der anderen Seite auch immer das Gefühl gibt, dass man alles selbst in der Hand hat. Allerdings natürlich es einem nicht geschenkt wird. Das Spannende bei meinem Job ist, einen typischen Arbeitsalltag gibt es nicht. Jeder Tag schaut anders aus. Es kann sein, dass ich wochenlang im Labor sitze. Ich arbeite mit Mikroorganismen, die ich in Bioreaktoren züchte. Das heißt, es ist ständig irgendwas los. Es sind eigentlich Haustiere, um die man sich kümmern muss. Allerdings solche Zeiten werden dann abgelöst von Messungen. Das heißt, wirklich mit großen Analysegeräten die Daten analysieren und dann am Computer auswerten. Und um dann wirklich zu verstehen, was während dem Experiment passiert ist, kann schon mal dauern und stellt einen auch immer wieder vor neue Fragen. Und in dem Zusammenhang muss ich natürlich auch immer up-to-date sein, was wissenschaftliche Ergebnisse anbelangt. Das heißt, ein großer Teil meines Jobs ist auch, dass ich wissenschaftliche Publikationen lese und mich ständig weiterbilde, weil sich auch Wissenschaft ständig verändert. Es ist kein statisches System, sondern generiert ständig neue Errungenschaften und Ergebnisse, die man vorher gar nicht gewusst hat. Ich muss jetzt ganz ehrlich sagen, ich war jetzt nicht der beste in der Schule. Ich habe mich immer gefragt, was soll ich eigentlich machen und habe dann viel ausprobiert. Habe zuerst meinen Zivildienst gemacht in einem Jugendzentrum und dann habe ich gedacht, okay, technische Chemie wäre wahnsinnig spannend, weil ich Chemie in der Schule echt mochte. Bin dann allerdings am chemischen Rechnen absolut gescheitert. Dann habe ich in Wien an der Universität Wien den Bachelorstudiengang Erdwissenschaften entdeckt und habe mir gedacht, ein grundnaturwissenschaftliches Studium, Chemie, Biologie, Physik, alles mit dabei und man kann Exkursionen machen und im ersten Jahr habe ich es wirklich geschafft, dass ich nach Island gefahren bin, dort für 16 Tage irgendwo im Nirgendwo unterwegs war, Gesteinsproben genommen habe und es war extrem spannend und dann ist bei mir wirklich diese Frage aufgekommen, Gesteine und Minerale, gut, können dort Spuren von Leben enthalten sein? Und ich bin dann weiter in die Geochemie gegangen, also immer mehr zu dem, was ich eigentlich vorher machen wollte, allerdings noch nicht funktioniert hatte. Ich habe dann Proben analysiert von 4000 m Wassertiefe, wo Karbonatadern drinnen waren und habe mich immer mehr gefragt, könnten dort Mikroorganismen eingebettet sein? Und um diese Frage beantworten zu können, bin ich dann weitergegangen nach Bremen an die Universität Bremen in Deutschland für den Master Marine Geowissenschaften mit einer Spezialisierung in organischer Geochemie und mit den Werkzeugen der analytischen Chemie, um herauszufinden, ob in diesen Mineralen Biosignaturen vorhanden sind und habe mich dann mit Mikroorganismen beschäftigt die Methan produzieren und mit schwefelfressenden Bakterien. Und das war extrem spannend aber war allerdings nicht genug für mich, weil ich gedacht habe, okay, wenn ich die schon analysiere, kann ich die nicht eigentlich auch selbst kultivieren, und mit denen arbeiten? Ich bin dann für drei Monate an die Harvard University in die USA gegangen und habe dort angefangen Mikroorganismen im Labor zu kultivieren und zu analysieren. Und dann war eigentlich nur die logische Frage, na ja, wenn ich das am Meeresgrund nachweisen kann, wie schaut es eigentlich auf anderen Planeten aus? Und um das zu beantworten, habe ich dann noch einen zweiten Master gemacht in Weltraumwissenschaften in Lüttich in Belgien wo ich mich spezialisiert habe auf Astrochemie, Astrobiologie und ein bisschen Astrophysik und das alles hat sich dann zusammengefügt und jetzt mache ich meinen Doktor in Frankreich in Orléans am Center for Molecular Biophysics und nutze wirklich organische Geochemie, wo ich ausgebildet worden bin, analytische Chemie, um zu analysieren und molekulare Mikrobiologie, um mit den Mikroorganismen zu arbeiten und nutze diese Forschungsrichtungen im Bereich der Astrobiologie. Das heißt, ich bin Astrobiologe geworden, wo ich wirklich diese verschiedensten Interessen zusammenführen kann und dadurch ist es auch wichtig für meinen Job und für mich eine gewisse Resilienz zu haben und zu sagen, gut, man probiert etwas zehn mal, es funktioniert nicht und beim elften mal funktioniert es dann vielleicht doch. Das heißt, nicht aufgeben, immer wieder neu probieren und sich auch nicht bewerten lassen von anderen Menschen, sondern versuchen sich selbst ein Freund zu sein um wirklich mit diesen Situationen umgehen zu können. Und scheitern ist ganz normal und irgendwann mal funktioniert's und dann macht's Spaß.
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Lisa Kaltenegger
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Franz Viehböck
„Ich habe mich im Rahmen des Projekts "AUSTROMIR" beworben und bin ausgewählt worden nach Russland zu übersiedeln, um dort eine Ausbildung zum Kosmonauten zu absolvieren. Diese Ausbildung hat 2 Jahre gedauert und 5 Monate vor dem Start wurde ich zur ersten Flugmannschaft ausgewählt und habe dann im Jahr 1991 von 02. bis zum 10. Oktober einen Raumflug zur Raumstation Mir gehabt, um dort auch wissenschaftliche Experimente durchzuführen.", erzählt Franz Viehböck, Astronaut.
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Carmen Possnig verbrachte ein Jahr als Medizinerin in einer Forschungsstation in der Antarktis und arbeitet als Weltraummedizinerin an der Universität in Innsbruck. Sie wurde 2022 von der ESA, der europäischen Weltraumorganisation, als Reserve-Astronautin unter 22.500 Personen für Österreich ausgewählt.
Sebastian Gfellner
"Das Coolste an meinem Job ist, dass es nie langweilig wird. Jeder Tag bringt neue Fragestellungen bzw. irgendetwas worauf man nicht vorbereitet war und was man sich erst selbst erarbeiten oder erlernen muss. Kein Tag ist wie der andere. Was anstrengend sein kann, aber extrem spannend ist." Sebastian Gfellner arbeitet gerade an seiner Doktorarbeit im Bereich Astrobiologie am CNRS in Orléans, Frankreich.

